Meilenstein in der Medizin: Frankreichs Krankenkassen zahlen künftig die Abnehmspritze

Djamal Sadaghiani
Frankreich: Krankenkasse zahlt Abnehmspritze bei Adipositas

Ein historischer Schritt in der europäischen Gesundheitspolitik: Als erstes Land in der Europäischen Union wird Frankreich die Kosten für sogenannte Abnehmspritzen bei stark übergewichtigen Menschen übernehmen. Dies kündigte die französische Gesundheitsministerin Stéphanie Rist an. Für Betroffene, die unter schwerer Adipositas leiden, eröffnet sich damit eine neue Perspektive in der medizinischen Versorgung.

Paradigmenwechsel in der Adipositas-Behandlung

Bislang mussten Patientinnen und Patienten die Kosten für die modernen, inkretinbasierten Antiadiposita aus eigener Tasche bezahlen. Die monatliche finanzielle Belastung lag dabei im Durchschnitt bei rund 300 Euro. Künftig wird das französische Gesundheitssystem diese Kosten für eine definierte Zielgruppe tragen. Die Regierung rechnet mit jährlichen Ausgaben in Höhe von etwa 100 Millionen Euro für die Bereitstellung der Medikamente.

Strenge Kriterien für die Kostenübernahme

Die Freigabe der Präparate auf Kassenkosten bedeutet jedoch keinen Freifahrtschein für eine rein ästhetische Gewichtsreduktion. Wie das französische Gesundheitsministerium betont, ist der Einsatz streng reglementiert und an klare medizinische Voraussetzungen geknüpft:

  • Schweregrad der Erkrankung: Die Patientinnen und Patienten müssen volljährig sein und an einer so massiven Adipositas leiden, dass als Alternative nur ein operativer Eingriff, wie etwa eine Magenverkleinerung, infrage käme.
  • Spezialisierte Betreuung: Die Verordnung und Behandlung darf ausschließlich in ausgewiesenen Spezialkliniken erfolgen.
  • Ganzheitlicher Ansatz: Die medikamentöse Therapie muss zwingend von einer kalorienreduzierten Diät und einem Bewegungsprogramm begleitet werden.

Fokus auf Prävention statt auf Operationen

Gegenüber dem französischen Fernsehsender TF1 verdeutlichte Gesundheitsministerin Rist den präventiven Charakter der Maßnahme. Ziel sei es, schwere Folgeerkrankungen der Fettleibigkeit wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen frühzeitig abzuwenden und radikale chirurgische Eingriffe im Vorfeld zu vermeiden.

Signalwirkung für Deutschland?

Der Vorstoß des Nachbarlandes dürfte auch die Debatte in Deutschland neu entfachen. Hierzulande übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für entsprechende Präparate bislang in der Regel nur bei der Behandlung von Typ-2-Diabetes. Der Einsatz als reines Medikament zur Gewichtsreduktion gilt in Deutschland nach wie vor als Behandlung, die Patientinnen und Patienten als Selbstzahler finanzieren müssen. Ob das französische Modell als Vorbild für das deutsche Gesundheitssystem dienen könnte, wird in Fachkreisen künftig sicherlich intensiv diskutiert werden.

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